Augen auf beim Brautkleidkauf! Ein Erfahrungsbericht Brautkleider, Hochzeitstrends, Im Spotlight Farben

Ronja, eine wunderschöne Augustbraut erzählt uns von ihrer schwierigen Zeit beim Brautkleidkauf. Ein lesenswerter Erfahrungsbericht von einer Braut an zukünftige Bräute:

Kurz nach dem Antrag ging ich in meinem allerersten Brautladen, eigentlich zunächst nur um einen Termin zur Anprobe mit meinen Mädels auszumachen. Ich habe dort spontan ein Kleid anprobiert, welches im Ausverkauf war, woraufhin sich meine Mama und die Verkäuferin förmlich vor Begeisterung überschlugen. Es war das einzige Kleid im Laden, was überhaupt ansatzweise den Stil hatte, den ich wollte und zudem war es auch das erste Brautkleid, was ich jemals anhatte. Es war von 1.900 € auf 1.300 € reduziert, weswegen es nicht möglich war, es zu reservieren. Ein wenig überfordert, weil ich ja eigentlich noch gerne meine Mädels dabei gehabt hätte, habe ich also meine Trauzeugin per Skype zugeschaltet. Sie fand es auch toll und so habe ich mich von der allgemeinen Begeisterung mitreißen lassen, obwohl es ein paar Dinge gab, die ich nicht optimal fand (u.a. konnte ich wegen der Ärmelchen meine Arme nicht hochheben, was zum Eröffnungstanz echt blöd und auch sonst eher unbequem gewesen wäre). Natürlich fand ich mich schön darin und es gefiel mir auch, aber das Gefühl hätte ich im Nachhinein betrachtet vielleicht in fast jedem ‘ersten’ Brautkleid gehabt. Ich dachte nur, ich würde mich eventuell ärgern, wenn es ein paar Wochen später weg wäre, weil aufgrund der Preisreduzierung eben keine Reservierung möglich war. Also habe ich es gekauft bzw. den Vertrag unterschrieben und eine Anzahlung von 200€ gemacht, das Kleid selbst aber blieb vorerst im Laden.

Ein paar Tage später habe ich auf der Webseite des Ladens gesehen, dass eben dieses Kleid in der Kategorie ‘600-1000€’ gelistet ist – also viel günstiger, als es mir angeblich ‘reduziert’ verkauft worden war. Also habe ich online über den Hersteller recherchiert und herausgefunden, dass diese Firma ausschließlich Brautmode im Preisbereich bis 699€ macht. Als wäre es nicht schon schlimm genug, sich übers Ohr gehauen zu fühlen, hatte ich wiederholt Albträume von meinem Kleid – dass es nicht das richtige ist, dass ich unglücklich damit bin, und dass ich es nicht zurückgeben kann. Außerdem hatte ich das Gefühl, mich selbst um das Erlebnis betrogen zu haben, gemeinsam mit meinen Mädels zur ersten Anprobe zu gehen. Genau eine Woche nach meiner Anprobe bin ich also zurück zu dem Laden (ursprünglich, um den Rest des Betrages zu zahlen) mit dem Ziel, den Kaufvertrag aufzulösen. Ich habe der Verkäuferin meine Situation erklärt und auf Verständnis gehofft – aber worauf ich gestoßen bin, ist fast schon kriminell… Nur so viel: Die haben sich quer gestellt, quasi gestanden, dass sie ihrer Kleider alle grundsätzlich teurer verkaufen, weil sie es aufgrund der Lage ihres Ladens eben können, und mir die Möglichkeit verwehrt, vom Vertrag zurückzutreten. Ich hätte es entweder kaufen müssen oder gegen ein Kleid der neuen Kollektion tauschen müssen – als ob ich da jemals noch was gekauft hätte, nachdem mir quasi ins Gesicht gesagt wurde, dass ich dort auf jeden Fall mehr zahle, als die Kleider eigentlich kosten. Erst nach Drohen mit dem Anwalt und einigen Telefonaten mit dem (ziemlich mafia-mäßig wirkenden) Inhaber des Ladens ‘durfte’ ich gegen eine Gebühr von 300€ und einer positive Bewertung bei Google (!) den Kaufvertrag auflösen. Die 300€ tun schon weh, aber ich hätte dieses Kleid niemals an meiner Hochzeit mit einem guten Gewissen tragen können! Ich hatte trotzdem noch wochenlang Angst, dass die uns irgendwie bedrängen, schließlich hatten sie vom Kaufvertrag alle meine Daten, und am Telefon wurde uns auch schon indirekt gedroht. Zum Glück haben wir bis heute nichts mehr von ihnen gehört.

Ein paar Wochen später hatte ich dann einen Termin in einem anderen, ganz kleinen Brautladen, zu dem ich auch mit Unterstützung meiner Mädels erschienen bin. Dieser Laden war das komplette Gegenteil und ich habe mich super aufgehoben gefühlt. Die Inhaberin hat mich ganz lieb beraten und sich viel Zeit für uns genommen, ohne mich in irgendetwas reinzuquatschen.

Ich hatte mein Kleid bereits vorher im Internet gesehen und dachte „Tolles Kleid, aber sowas können nur Models tragen“. Auch im Laden hatte ich an der Stange zunächst einen ganz anderen Favoriten, und meine Mädels mussten mich quasi überreden, das „Elfenkleid“ (wie sie es passenderweise getauft haben) nur mal „just for fun“ anzuprobieren.

Als ich dann jedoch aus der Kabine kam, war klar: Das ist zwar das pompöseste Kleid in dem sonst eher schlichten, Boho-orientierten Sortiment des Ladens, aber es passt einfach wunderbar zu mir. Meine Kriterien bei der Brautkleidsuche waren: Schmale A-Linie, keine Korsage, Oberteil mit filigraner Spitze, schlichter Rock aus Tüll, Ivory oder Blush, nicht schulterfrei – und diese Kriterien erfüllt es alle. Nachdem ich zunächst Bedenken hatte, der tiefe Ausschnitt sei etwas zu grosszügig für eine Hochzeit, gefiel es mir immer besser, je länger ich mich darin betrachtete. Als kleine Frostbeule galten meine einzigen Bedenken nun noch die Temperatur: Was, wenn es am Hochzeitstag kalt ist? Ich würde in diesem Hauch von Nichts sicher sehr frieren! Meine Mädels beruhigten mich: „Ihr heiratet im August, da wird es schon warm sein!“ Ha, ha… Fast forward zu unserer Hochzeit, im August des heißesten und trockensten Sommers seit Beginn der Wetteraufzeichnung: 16 Grad und Regen. Na Danke! Gefroren habe ich also definitiv sehr, weshalb ich auf den meisten Bildern auch mein Kaschmir-Jäckchen darüber trage. Optisch war es also eher eine Herbst- als eine Sommerhochzeit.

Leider verlief die Zeit zwischen Brautkleidkauf und Hochzeitstag aber auch diesmal alles andere als reibungslos. Zunächst war es ein kleiner Schock, als das gelieferte Kleid in Größe 36/38 nicht nur einen 4cm (!) breiteren Ausschnitt hatte als das Probierkleid in Größe 42, sondern auch teilweise völlig andere Spitze verwendet wurde, die Ärmelchen leicht schief angebracht und viel zu kurz waren, und der Rock etwas massiver und weniger “leicht” wirkte, als das Kleid, in das ich mich verliebt hatte. Auf den Vergleichsbildern, die ich gemacht hatte, sah man ganz deutlich, dass aus dem neuen Kleid fast mein Brüste rausfielen, weil die Spitze anders angebracht war und ein Teil der Wimpernspitze am Ausschnitt sogar komplett fehlte. Auf den Bildern von hinten sah man, dass die verschmälerten Ärmelchen eine ganz andere Silhouette machten, und außerdem aus einer ganz anderen Spitze bestanden, welche an den Rändern fast wie ‚abgefressen‘ aussieht, während das Probierkleid an den Schultern mit einer schönen floralen Kante abgeschlossen hat. Eine liebe Schneiderin, die auch mein tolles Cape angefertigt hat, hat in stundenlanger Kleinstarbeit die komplette Spitze vom Oberteil gelöst, ergänzt und wieder drangenäht, bis zumindest der Ausschnitt so aussah, wie beim Probierkleid. Die Ärmelchen konnte sie nicht zu 100% retten, sodass sie trotz Ergänzen von zusätzlicher Spitze einfach nicht so schön aussahen, wie beim Probierkleid. Das Kleid hat mich und die Schneiderin sehr viel Zeit und Nerven gekostet. Die Kosten dafür hat zum Glück völlig selbstverständlich der Brautladen übernommen und hat als Konsequenz inzwischen auch die Herstellerfirma (Cathy Telle) aus dem Sortiment genommen. Summa Summarum: Es war leider nicht perfekt, aber ich habe mich trotzdem wohl darin gefühlt. Im Nachhinein ärgere ich mich schon über die ein oder andere Kleinigkeit, aber ich kann es ja nun mal nicht ändern. Hätte ich nochmal die Chance, würde ich jedoch einiges anders machen, z.B. mir noch mehr Zeit lassen und noch besser recherchieren.

Mein Tipp an alle Bräute: Augen auf beim Brautkleidkauf! Durch meinen Austausch mit anderen Bräuten vor allem auf Instagram habe ich von einigen ähnlichen Geschichten erfahren. Es gibt offenbar (leider!) genügend Leute im Hochzeitsmoden-Business, die die große Emotionalität ihrer Kundinnen wenn es um den schönsten Tag im Leben geht ausnutzen, um möglichst viel Profit herauszuschlagen. Also denkt daran, trotz der rosa Wolke, auf der ihr schwebt: Hinterfragt was euch komisch vorkommt, lasst euch nicht reinquatschen und beharrt auf eure Rechte als Käufer.

Außerdem glaube ich, dass es generell noch viele andere tolle Kleider auf der Welt gegeben hätte, die mir genauso gut gefallen hätten – es gibt einfach zu viele schöne Kleider. „Zwischen Tüll und Tränen“ auf VOX schaue ich deshalb schon gar nicht mehr gerne, weil ich jedes Mal neue tolle Kleider entdecke und denke „Wow, das wäre perfekt gewesen!“, auch wenn ich eigentlich nicht daran glaube, dass es für jede Braut wirklich nur „das eine Kleid“ gibt.

Und das auch nichts dergleichen einen so wichtigen Tag trüben sollte, zeigt uns das Brautpaar mit ihrer fantastischen Traumhochzeit, fotografiert von OctaviaplusKlaus.
 

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1 Kommentar Hinterlasse eine Antwort
  1. Danke für den interessanten Artikel. Wir schätzen auch die Individualität und haben daher z. B. unsere Trauringe selbst gemacht – bei einer tollen Goldschmiedin! Das ist günstiger, als man zunächst denkt. Und das gemeinsame Entwerfen und Arbeiten ist einfach toll. Heraus kamen Unikate, die es so nur 1 x auf der Welt gibt. Wir lieben unsere selbst gemachten Ringe, auch wenn sie vielleicht nicht ganz perfekt sind. Wen es interessiert – hier der Link zu den Trauringkursen für Paare: https://bit.ly/2WVNxnk

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